Sicherheitssystem für Seniorenheim

Für ein Seniorenpflegeheim in einem der neuen Bundesländer musste ein Sicherheitssystem nach den Gegebenheiten und der Infrastruktur des Pflegeheims geplant und in Verbindung mit Patientenruf, Brandmeldeanlage und Haustechnik eingesetzt werden.

Voraussetzungen

Es wurde vorausgesetzt, dass nur ein modernes System mit innovativer und offener Struktur eingesetzt wird, um künftige technische Verbesserungen und Neuerungen implementieren zu können.

Das Sicherheitssystem hat die Aufgabe aus unterschiedlichen Bereichen, wie Patientenruf, Brandmeldeanlage, Haustechnik und sonstigen Notfällen Notrufe entgegenzunehmen, intelligent zu verwalten und Alarme und Informationen an Hilfspersonal abzusetzen.

Bei dem einzusetzenden System musste es sich im eigentlichen Sinne um einen Alarm- und Informationsserver handeln, welcher die geforderten Leistungen uneingeschränkt erfüllt. Es mussten entkoppelte Hardware-Eingänge, Fremdsysteme, Sensoren, Alarmausgabeeinheiten und ähnliche Techniken in das Gesamtsystem zu integrieren sein.

Weitere Alarmarten, wie Personenschutz, Räumung von Gebäuden (Evakuation), Maschinenüberwachung, Gebäudealarme (Lüftung, Heizung, Klima etc.), Einbruch- und Überfallalarm, Tür-/Toralarme, Erinnerung an periodisch auszuführende Tätigkeiten etc. mussten, wenn erforderlich, nachzurüsten sein.

Die genannten Anforderungen an den Alarm- und Informationsserver mussten mindestens zu realisieren sein und angeboten werden.

Den Bietern wurde freigestellt, zusätzliche Komponenten und Funktionen alternativ zu offerieren, um die Gesamtlösung zu optimieren.

Vier von fünf Bietern haben von New Voice den Alarm- und Informationsserver „MobiCall“ für effiziente Alarmierung, zuverlässigen Personenschutz, sicherer Überwachung und Optimierung von Workflows angeboten.

Für das geplante System konnte, wie in der Ausschreibung gefordert, ein Datenblatt mit umfangreichen Beschreibungen in deutscher Sprache beifügt werden.

Lösungsforderungen

Folgende grundsätzlichen Anforderungen musste der Alarm- und Informationsserver erfüllen.

  • Es wurde eine hochverfügbare Lösung mit der Funktionalität einer Selbstüberwachung (Schnittstellen, Funktionen etc.) gefordert. Mit der entsprechend ausgesuchten Hardware (Server-Hardware nach RAID 1) und der Watchdog-Controllbox wird eine Verfügbarkeit von >99,9% erreicht.

Defekte Hardwarekomponenten und Softwarefehler werden durch geeignete Maßnahmen erkannt und innerhalb kürzester Zeit automatisch gemeldet.

  • Das System musste über standardisierte SØ-Schnittstellen an die Kommunikationsanlage angeschlossen werden. Es war eine uneingeschränkte Forderung, dass alle speziellen Leistungen für Alarmierungsprozesse von beiden Systemen bidirektional realisiert werden.
  • Von den vorhandenen Schwesternrufanlage und Brandmeldeanlage mussten über intelligente Schnittstellen (Datenschnittstellen mit dem Protokoll ESPA 4.4.4) Notrufe und Informationen aufgenommen werden. Durch die intelligenten Schnittstellen ist für den Alarm- und Informationsserver erkennbar, von welchem Auslösegerät (Taster der Schwesternrufanlage, Brandmeldeknopf, Rauchmelder etc.) der jeweilige Notruf kommt.

Jeder Notruf musste ein eigenes Szenario beinhalten um dadurch einen speziellen Alarm auszulösen. Jedem Alarm ist eine Zeitsteuerung zugewiesen. Nach Auslösen eines Alarmes wird sofort ein von Tag und Uhrzeit abhängiges Benachrichtigungsszenario ausgeführt.

  • Über Kontaktboxen mussten von technischen Einrichtungen (z.B. Heizung) Informationen an den Alarm- und Informationsserver als Alarme weitergegeben und umgekehrt technische Einrichtungen gesteuert werden können.

Auf der einen Seite der Kontaktboxen musste ein LAN-Anschluss die Schnittstelle zum Alarm- und Informationsserver bilden, auf der anderen Seite mussten Kontakte als Öffner und Schließer die Schnittstellen zu den technischen Einrichtungen zur Verfügung stellen. Je nach Bedarf müssen auch Relais-Ein- und -Ausgänge anzuschalten sein.

Die Kontaktboxen mussten in ihrer Technik so aufgebaut sein, dass sie vom Alarm- und Informationsserver auf ihre Funktion hin überwacht werden können.

Resultierend aus den Anforderungen wurden die Kontaktboxen WAGO Serie 750 mit modularem Aufbau für bis zu 512 Kontakten von New Voice eingesetzt.

Über den Alarm- und Informationsserver musste eine Vielzahl von Alarmen in unterschiedlichster Form parallel aufzunehmen, zu bearbeiten und abzusetzen sein. Einzelne Alarme und Alarmgruppen mussten gemeinsam zu realisieren sein.

Für die geplante Absicherung mussten auf jeden Fall folgende Alarmauslösearten realisiert werden:

  • Auslösung von Alarmen durch die Übernahme von Informationen aus einem Schwesternrufsystem Typ Ackermann. Die Übernahme erfolgt durch eine serielle Datenschnittstelle mit dem Protokoll ESPA 4.4.4.
  • Auslösung von Alarmen durch die Übernahme von Informationen aus einer Brandmeldeanlage Typ detectomat. Die Übernahme erfolgt durch eine serielle Datenschnittstelle mit dem Protokoll ESPA 4.4.4.

Ablauf der Alarmierung

Die Alarmauslösungen erfolgen über Schwesternrufanlage, Brandmeldeanlage, Telefonapparate, GSM-Endgeräte und Kontakte.

Es mussten einzelne Alarme und Gruppenalarme mit bis zu 8 Teilnehmern realisiert werden. Der Alarm- und Informationsserver sendet den zur jeweiligen Alarmgruppe gehörenden Teilnehmern eine entsprechende Textnachricht auf das Display des hausinternen Telefon-Endgerätes. Mit der Übermittlung der Nachricht erklingt gleichzeitig ein auffälliger Sonderrufton. Wird der Alarmruf als Gespräch angenommen, wird zusätzlich ein entsprechender Text angesagt.

Das parallele Alarmieren auf weitere interne und externe Telefonapparate, Mobilfunk, PCs sowie das Übermitteln von Alarmen per E-Mail, SMS, optisch und akustisch musste alternativ einzurichten sein.

Neben den direkten Meldungen sind auch zeitabhängige Meldungen möglich. Die zeitabhängigen Meldungen, z.B. Ruf der Polizei/Feuerwehr nach einstellbarer Zeit wenn der Prozess nicht vorher gestoppt wird, ist frei zu definieren.

Um ein gezieltes schnelles Alarmieren der einzelnen Teilnehmer zu gewährleisten, wurde die Anzahl der Verbindungskanäle zwischen Alarm- und Informationsserver und der Kommunikationsanlage entsprechend dimensioniert. Übersteigt im Einzelfall die Anzahl der zu alarmierenden Teilnehmer die Anzahl der Verbindungskanäle, werden die noch nicht alarmierten Teilnehmer, je nach Priorität nacheinander vom System abgearbeitet.

Alarmszenarien

Wird ein Alarm ausgelöst, werden bis zu 8 Teilnehmer gleichzeitig alarmiert. Eine Auslösung durch PCs, per SMS oder per Mail wird derzeit nicht benötigt, kann aber vom System jederzeit realisiert werden.

Beim Aussenden einer Alarmmeldung wird der Alarm simultan an interne und optional an externe Teilnehmer gesendet. Alternativ können Priorisierungen, z.B. erst interne, dann externe Signalisierungen eingerichtet werden.

Jeder Alarm informiert die gerufenen Teilnehmer mit einem Sonderrufton. Im Display des Endgerätes wird die alarmierende Stelle als Klartext angegeben. Der Alarm ist individuell mit oder ohne Quittierungen einzustellen.

Spricht ein durch einen Notruf gerufener interner Teilnehmer, wird Gespräch zwangsgetrennt. Danach ist das beschriebene Szenario realisiert.

Sofern erforderlich und vom entsprechenden Endgerät unterstützt, werden automatisch die Lautsprecher der Endgeräte geöffnet. Danach erfolgt eine Durchsage, bezogen auf das auslösende Ereignis.

Mehrfache Wiederholungen der Alarmierungen sind möglich, wenn beim ersten Mal die Alarmierung erfolglos war.

Eskalationsszenarien

Wird ein Alarm nicht planmäßig abgesetzt, sind Eskalationsszenarien programmiert. Je nach Alarmart werden unterschiedliche Eskalationsszenarien realisiert.

Eskalationsszenarien sind je nach Datum und Uhrzeit unterschiedlich eingestellt.

Prioritätsstufen

Jedem Alarm ist eine Priorität zugeordnet. Treten mehrere Alarme gleichzeitig auf, wird der Alarm mit der höchsten Priorität als erstes bearbeitet/ausgesendet.

Teilnehmer gleicher Priorität werden gemäß zufälliger Reihenfolge angerufen. Bei unterschiedlichen Teilnehmer–Prioritäten ist einstellbar, ob bei der Anwahl strikt die Prioritätsreihenfolge eingehalten oder in Wählpausen Teilnehmer niedriger Priorität zwischengeschoben werden.

Konferenzschaltung

Nach dem Aussenden eines Alarms werden automatisch Konferenzen mit vordefinierten Teilnehmern geschaltet. Dabei sind sowohl externe als auch interne Teilnehmer mit einbezogen.

Der Aufbau der Konferenzen erfolgt durch „MobiCall“ automatisch, kann aber auch manuell vorgenommen werden.

Es sind mindestens 2 gleichzeitige Konferenzen mit mindestens 6 Teilnehmern pro Konferenz möglich.

Ansagetexte

Für diverse Funktionen werden Ansagetexte benötigt. Die Ansagetexte werden von berechtigten Stellen aus aufgesprochen oder schriftlich eingegeben (Text to speech). Für jede Alarmsituation steht ein individueller Ansagetext zur Verfügung.

Es stehen 10 feste Ansagetexte zur Verfügung, die digital gespeichert werden. Individuelle Texte können nach Belieben eingegeben und jederzeit geändert werden. Die Textlänge beträgt bis zu 30 Sekunden.

Es können unterschiedliche Ansagetexte nach Schichtbetrieb, Datum und Uhrzeit verwendet werden.

Alarmquittierung

Die Einstellungen am Alarm- und Informationsserver wurden so vorgenommen, dass ein Alarm quittiert oder nicht quittiert werden muss. Die Quittierung erfolgt über einen Telefonapparat.

Müssen Alarme quittiert werden, besteht die Auswahlmöglichkeit einer positiven (kann reagieren) oder negativen (kann nicht reagieren) Quittierung. Darüber hinaus kann bestimmt werden, ob eine Quittierung während oder nach der Alarmmeldung zu erfolgen hat.

Wird eine Alarmmeldung während der Ansage quittiert, ist das Quittieren frühestens nach Anhören von 50% des Meldetextes möglich. Individuelle Einstellungen sind möglich.

Meldungen werden parallel auf mehrere Endgeräte ausgegeben. Eine Quittierung auf einem der Endgeräte gilt für diesen Teilnehmer und gleichzeitig auch für die parallelen Meldungen. Die Alarmmeldung an die parallelen Endgeräte wird abgebrochen.

Alarmaufhebung

Wird ein Alarm aufgehoben, erfolgt dies nur durch berechtigte Personen oder Endgeräte.

Zur Alarmaufhebung wird in ein berechtigtes Endgerät neben einer Zugangsprozedur eine Kennziffer eingegeben oder eine fest programmierte Taste gedrückt. Die Alarmaufhebung wird vorgenommen und auf entsprechenden Displays von Endgeräten angezeigt.

Fehlalarm

Es kann während eines ausgelösten Alarms entschieden werden, ob es ein akuter Alarm oder ein Fehlalarm ist. Wird festgestellt, dass es sich um einen Fehlalarm handelt, wird das Alarmszenario durch eine bestimmte Prozedur abgebrochen.

Protokollierung Alarmprozesse

Die Protokollierung der Alarmprozesse ist im beschriebenen Fall eine Grundvoraussetzung.

Für die optimale Verfolgung eines Alarmfalles wird eine sekundengenaue Protokollierung vorgenommen, woher die Meldungen kamen, welche Empfänger die Meldungen erhalten haben und welche aufgrund der Meldung aktiv werden.

Alle Alarme und die darauf folgenden Aktionen fließen in ein Protokoll ein. Die einzelnen Protokollmeldungen in den Dateien und Ausdrucken besitzen laufende Meldungsnummern und sekundengenaue Zeitstempel. Oberste Priorität bei der Protokollierung ist das Dokumentieren nicht erreichter Teilnehmer. Dies gilt gleichermaßen für intern sowie für extern angesteuerte Teilnehmer.

Eventuelle Quittierungen werden wie jeder weiterer Prozess mit Angabe des Empfängers, Datum, Uhrzeit, Meldung, und Quittungsart dokumentiert.

Die Protokollierungen erfolgen als Sicherung in eine oder mehrere Protokolldateien (Log–Files). Die erzeugten Protokolldateien können nicht durch den Administrator manipuliert werden.

Die Protokollierung wird zur Auswertung auf dem Server gesichert.

Der Einsatz des Alarm- und Informationsservers „MobiCall“ von New Voice hat den Anforderungen des Seniorenpflegeheims komplett entsprochen. Die einzelnen vorhandenen Systeme wie Patientenruf, Brandmeldeanlage und Haustechnik wurden wie vorgegeben integriert.

Die permanente Weiterentwicklung von „MobiCall“ stellt sicher, dass auch künftige Techniken (z.B. IoT) ebenfalls integriert werden um so den steigenden Anforderungen der Sicherheitstechnik gerecht zu werden.

 

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